So funktioniert Workation: Mehr als nur ein Buzzword

Was von digitalen Nomad*innen schon lange gelebt wird, ist durch den Umstieg zu Remote Work nun für Arbeitnehmer*innen ein Wunsch und für Arbeitgeber*innen eine Herausforderung: Workation, eine Verschmelzung von Arbeit und Urlaub. Der Arbeitsort wird in die Berge, an den Strand oder in eine entfernte Stadt verlegt, um von dort aus für einen gewissen Zeitraum zu leben und zu arbeiten. Dass Workation nicht nur für einzelne Mitarbeitende funktionieren, sondern auch zum Vorteil des ganzen Teams genutzt werden kann, haben bereits Unternehmen wie Refurbed, Holidu und Storyclash für sich entdeckt.

Workation: Daher kommt der Trend

Aus den tristen vier Wänden ausbrechen und endlich wieder entfernte Orte bereisen: Das wünschen sich laut einer Travel Trends 2021 Studie rund 45% der befragten Arbeitskräfte für das Jahr 2022. Diesen Trend nehmen auch einige Länder wahr und locken mit Angeboten wie einem Workation Visum. 

Immer mehr Unternehmen digitalisieren ihre internen Arbeitsprozesse. Dadurch stehen in der Arbeitswelt immer mehr Möglichkeiten offen, die auch genutzt werden wollen. Dass Teams, aber auch Einzelpersonen, ihre Arbeit jetzt mit in den Urlaub nehmen wollen, ist eine vorhersehbare Entwicklung.

Unternehmen wollen mit dem Benefit als attraktive*r Arbeitgeber*in wahrgenommen werden. Solange man in der gleichen Zeitzone bleibt, macht es schließlich keinen Unterschied, ob im Homeoffice oder am Strand gearbeitet wird.

Das versprechen sich Unternehmen vom Workation-Trend

Ganz uneigennützig ist dieses Angebot natürlich nicht. Employee Engagement ist wichtiger denn je. Was sich im klassischen Büro meist natürlich entwickelt, gestaltet sich in einem Remote Setting schwerer. Kolleg*innen sind räumlich voneinander getrennt und haben weniger persönliche Beziehungen zueinander. Darunter leiden vor allem Kommunikation und Innovation, was mitunter schon bei Apple für Unmut gesorgt hat. Bei einer Team-Workation kann man sich am gemeinsamen Arbeitsplatz austauschen, an Projekten arbeiten und sich besser kennenlernen. Statt Microsoft Teams gibt es Strandspaziergänge.

Im War for Talents nimmt flexibles Arbeiten einen hohen Stellenwert ein. Laut einer Work Reimagined Studie würden gut die Hälfte der Arbeitnehmer*innen ihren Job kündigen, wenn ihnen nicht die gewünschte Flexibilität im Arbeitsalltag angeboten wird. Workations sind in Zukunft also nicht mehr nur ein „Nice-To-Have“, sondern werden immer wichtiger, um Talente für sich zu gewinnen und die bestehenden zu halten. Außerdem sind sie ein hilfreiches Mittel, um bei Remote Teams für das notwendige Bonding zu sorgen. 

Vorteile einer Team-Workation

37% der Befragten einer Bleisure Traveller Studie geben an, dass sie eine regelmäßige Workation glücklicher, entspannter und produktiver machen würde. 

  • Zum Kreieren von Inhalten für das Employer-Branding.
  • Für das Wohlbefinden und die langfristige Bindung von Mitarbeitenden.
  • Als Mitarbeiterbenefit nutzen.
  • Innovation im Unternehmen fördern, kreativen Austausch ermöglichen.
  • Fördern von sozialen Kontakten und kennenlernen von Kollegen*innen (besonders bei Remote Teams)
  • Onboarding von neuen Teammitgliedern.

Gesund- und Zufriedenheit der Mitarbeitenden

Wer kennt die Eintönigkeit im Homeoffice nicht? Diese führt zu Demotivation und einer geringeren Produktivität bei kreativen Projekte. Wenn der Austausch mit Kolleg*innen fehlt, kann man sich auch schwerer für die Arbeit begeistern. Daher sind Burnouts oder Boreouts im Homeoffice keine Seltenheit. 

Während intensiver Projektphasen sind regelmäßige Pausen umso wichtiger – genau das ist aber nicht immer möglich. Ist ein Projekt abgeschlossen, kann eine Workation ein optimaler Mittelweg zwischen Arbeit, Erholung und Bonding-Time für das Team sein.

Sonne, Strand und Meer kurbeln die Kreativität an

Wissensarbeiter*innen gehen am häufigsten auf Workation. In vielen Fällen sind sie kreative Köpfe und Problemlöser*innen. Sind sie der Monotonie des Alltags zu lange ausgesetzt, kann sich das negativ auf die Kreativität und Innovationsfähigkeit auswirken.

Ein Tapetenwechsel in Form einer Workation ebnet den Weg für neue Blickwinkel und Denkweisen. Bei einer Team-Workation lernen sie zudem neue Herangehensweisen kennen. Die eigene Inspiration wird angekurbelt, und Workflow und Output verbessern sich.

Team-Bonding

Beziehungen innerhalb des Teams leiden durch den Remote Work Trend. Im Team zusammenzukommen, ist aber essenziell, um eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu gewährleisten. Vor allem in größeren Firmen wird oft nur mit Kolleg*innen innerhalb der eigenen Abteilung zusammengearbeitet. Selbst wenn persönliche Beziehungen bestehen, kennen sich Kolleg*innen meist nur durch den Bildschirm.

Ist es dann doch mal nötig, abteilungsübergreifend zu arbeiten, stehen vor allem größere Firmen vor einem Problem. Eine gemeinsame Workation mit Arbeitnehmer*innen aus verschiedenen Abteilungen ist eine großartige Möglichkeit, um Kommunikation und Mitarbeiterbeziehungen zu verbessern. Für Arbeitnehmer*innen, die Familie haben, Angehörige pflegen oder gesundheitliche Probleme haben, kann eine mehrwöchige Workation allerdings schwierig werden. Kann ein Teil des Teams aus den verschiedensten Gründen nicht an der Workation teilnehmen, leidet die Dynamik der ganzen Gruppe darunter. Beim Browser-Anbieter Vivaldi können Arbeitskräfte ihre Kinder und Partner*innen auf Workation mitnehmen und werden so miteinbezogen. 

Wo große Teams zu kämpfen haben, profitieren vor allem kleinere Teams oder einzelne Abteilungen von einer Workation. Es stehen wichtige Projekte und To-Dos an? Wird gemeinsam an einem Ort gearbeitet, kann ohne andere arbeitsbezogene Ablenkungen an einer Lösung für die Problemstellung getüftelt werden. Eine Workation an einem schönen Ort ist das beste Mittel, um neue Idee sprießen zu lassen.

Die Stolpersteine

Der Workation-Trend ist aber nicht nur mit Vorteilen behaftet. Work-Life-Balance, die Kosten und der zusätzliche Arbeitsaufwand für HR-Personal, das Unternehmen und Mitarbeitende sollte vor Beginn der Planung bedacht werden.

Die Frage der Work-Life-Balance

Während eine Workation vielen Arbeitskräften den Spagat zwischen Arbeit und Urlaub erleichtert, ist für andere genau das Gegenteil der Fall. Für viele Mitarbeitende sind Workations kein Ersatz für „richtigen“ Urlaub und ihnen fehlt die Zeit, um wirklich abzuschalten. Wird Erholzeit, zum Beispiel in der Form von freien Tagen, in die Workation integriert, fällt es leichter, bewusst zu entspannen. 

Mitarbeiter*innen, die regelmäßige Workations unternehmen berichten, dass für sie die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend verschwimmen. Eine Entwicklung, die durch Remote Work sowieso vermehrt zu beobachten und von Mitarbeitenden teilweise auch so gewünscht ist. Diese Arbeitsweise funktioniert aber nicht für jeden, weswegen Workations immer auf freiwilliger Basis stattfinden sollten. 

Die Kosten

Ist eine Team-Workation geplant, wird das Unternehmen möglicherweise einen Teil der Kosten tragen, je nach interner Vereinbarung. Tendenziell wird die Kostenfrage so gelöst, dass das Unternehmen einen Teil bezahlt und die Arbeitnehmenden den Rest selbst begleichen. Beim österreichischen Startup Ready2order wird beispielsweise vom Unternehmen das technische Set-up und die Unterkunft zur Verfügung gestellt. Anreise und Verpflegung zahlen Mitarbeitende selbst. Der App-Entwicklungs-Provider IKANGAI finanziert die Workation-Unterkunft hingegen durch Ersparnisse, die sonst in Büroressourcen geflossen wären. 

Eines der Ziele davon, Arbeit mit Urlaub zu verbinden, ist es, Mitarbeiter*innen die Möglichkeit zu bieten, verschiedene Länder zu bereisen, Zeit mit Kolleg*innen zu verbringen und dabei trotzdem produktiv zu sein. Allerdings sind diese Reisen auch mit höheren Kosten verbunden.

  • Europa
    € 1.200*
  • Süd Amerika
    € 950*
  • Asien
    € 750*

*Durchschnittliche Kosten pro Mitarbeiter pro Monat

Vor Reiseantritt sollte also unbedingt geprüft werden, ob die Workation überhaupt leistbar ist. Je nach Reiseland können die Lebenskosten variieren. Ein Workation-Check der Plattform Expat News vom Februar 2022 berichtet, dass sich die durchschnittlichen Kosten einer Workation in Europas beliebtesten Reiseländern auf durchschnittlich 1.196 EUR pro Mitarbeitenden für einen ganzen Monat belaufen. Diese beinhalten, Transportkosten, Verpflegung, Unterkunft und Freizeitkosten.  

Zusätzlicher Workload

Beim Arbeiten im Ausland ist vieles zu beachten und im Vorhinein zu regeln, um auf der sicheren Seite zu sein. Von der Festlegung des Reiseziels, der Dauer, Unterkunft und Transport bis hin zur Abklärung der rechtlichen Aspekte, kann die Workationplanung mit einem zusätzlichen Arbeitsaufwand verbunden sein. Dieser Aufwand fällt in vielen Fällen auf die Personalabteilung zurück. Alternativ kann die Organisation aber auch auf verschiedene Abteilungen und Mitarbeitende aufgeteilt werden. 

Spielregeln klarstellen

Wer, was, wann, wo: Bevor es mit der Workation-Planung so richtig losgehen kann, müssen diese Fragen beantwortet werden. Grundsätzlich gilt: Der Arbeitsurlaub wird nur dann reibungslos funktionieren, wenn im Unternehmen bereits Rahmenbedingungen für Remote Work aufgestellt sind und gelebt werden. Ist das der Fall, kann man darauf aufbauend Bedingungen für Workations einführen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn nur ein Teil der Arbeitnehmer*innen an der Workation teilnimmt und der Rest weiterhin im Heimatland arbeitet. Um Zeit und Ressourcen zu sparen, sollte die Ausarbeitung von möglichst firmenübergreifenden Regelungen das Ziel der Führungs- und HR-Abteilung sein.

Fristen

Fristen für die Einreichung des Workation-Antrags beim HR-Personal und der Geschäftsführung sorgen dafür, dass vor Reiseantritt alles rechtzeitig geregelt werden kann. Diese Frist kann jedes Unternehmen selbst festlegen. Zwei Wochen vor Reiseantritt haben sich als gute Richtlinie bewährt. In diesem Zeitraum können auch Kolleg*innen über die Workation informiert und darauf vorbereitet werden. 

Arbeitszeiten

In Sachen Arbeitszeit kann man sich je nach den Wünschen der Mitarbeiter*innen und der Vorgesetzten auf die verschiedensten Vereinbarungen einigen. Grundziel sollte sein, einen Kompromiss zwischen Arbeit leisten und Urlaub machen zu finden. Eine Team-Workation könnte zum Beispiel wie folgt aussehen:

  • Es wird so gearbeitet, wie auch zu Hause in einer normalen Arbeitswoche. Also zum Beispiel 8 Stunden pro Tag bei einer Vollzeitanstellung. Möglich wäre hier, dem Workation-Team für die Dauer der Workation ein flexibleres Zeitmodell anzubieten, damit die Location nach den eigenen Wünschen ausgenutzt werden kann.
  • Alternativ könnten die Arbeitnehmer*innen für die Dauer der Workation auch Stunden reduzieren. So bleibt mehr Zeit für Freizeitaktivitäten wie Surfen, Wandern, Sightseeing oder am Strand zu liegen. Im Idealfall gibt es Interessenüberschneidungen mit Kolleg*innen, sodass die Freizeit auch als Teambuilding fungieren kann. Dauert der Aufenthalt länger, könnte auch zwischen einer Woche normaler Arbeitszeit & einer Woche Urlaub gewechselt werden.

Die Trennung von Arbeits- und Urlaubszeit beginnt schon bei Reisestart. Ob An- und Rückreise oder die Arbeit im Flugzeug unter Arbeitszeit fällt, müssen Unternehmen für sich selbst festlegen. Geklärt sollte auch werden, was im Falle von verpasster Arbeitszeit bedingt durch ausgefallene Flüge, Zeitverschiebung oder schlechter Internetverbindung passiert. Werden die Mitarbeiter*innen unbezahlt freigestellt oder müssen sie sich in so einem Fall Urlaub nehmen?

Erreichbarkeit

Auch die Erreichbarkeit der Mitarbeiter*innen muss klargestellt werden. Gibt es fixe Geschäftszeiten? Wenn ja, muss der oder die Mitarbeitende auf Workation zu diesen erreichbar sein? Oder macht es nichts aus, wenn die Reaktionszeit auf E-Mails mal länger dauert? Das hängt natürlich auch eng damit zusammen, auf welche Arbeitszeiten sich intern geeinigt wurde.

Beim Thema Erreichbarkeit sollten mögliche Zeitzonenunterschiede nicht außer Acht gelassen werden. Was sich innerhalb von Europa recht gut regeln lässt, kann bei entfernteren Reisezielen zum Problem werden, wenn Meetings oder andere Termine nicht eingehalten werden können. Für einen entspannte und möglichst stressfreien Arbeitsurlaub empfiehlt es sich, eine gleiche oder ähnliche Zeitzone wie die des Heimatlandes zu wählen.

Equipment, Unterkunft und Coworking Spaces

Workations werden hauptsächlich von Remote Workern angetreten, die in vielen Fällen schon mit dem richtigen Equipment für die Fernarbeit ausgestattet sind. Ob der Zugang zu arbeitsfreundlichem Equipment auch im Workation-Land vorhanden ist, ist allerdings eine andere Frage.

Die gewählte Unterkunft sollte Zugang zu einer stabilen Internetverbindung haben. Ein normales W-LAN kommt bereits bei bis zu fünf Videocalls gleichzeitig an seine Grenzen. Um sicherzustellen, dass die Internet-Geschwindigkeit in der Unterkunft zufriedenstellend ist, können von den Vermieter*innen diesbezüglich Details eingeholt werden, beispielsweise anhand eines Speedtests. Grundsätzlich empfiehlt es sich, mindestens 20mb Bandbreite pro Mitarbeitenden einzuplanen. Nutzen allerdings mehrere Mitarbeitende die Bandbreite, ist man mit 40mb auf der sicheren Seite.  Zusätzlich zum Internet braucht die Unterkunft Tische, ergonomische Sitzmöglichkeiten, gute Beleuchtung und, bei Bedarf, Drucker, Tablets etc. Für eine produktive Arbeit brauchen Arbeitnehmer*innen aber möglicherweise auch Post-Its, Notizblöcke, Stifte, Kopfhörer, Flipcharts, Dokumente oder ähnliches. Ob diese von der Unterkunft zur Verfügung gestellt oder selbst mitgebracht werden, ist individuell abzuklären. 

Zusätzlich gibt es rund um den Datenschutz einiges zu beachten. Ist das W-Lan in der Unterkunft, dem Coworking Space oder dem Café nebenan sicher? Beim eigenen W-LAN kann das mithilfe eines Netzwerkchecks festgestellt werden. Bei fremden Netzwerken ist das allerdings nicht erlaubt. Geräte können mittels VPN-Clients verschlüsselt werden und somit zumindest die Privatsphäre im direkten Umfeld schützen. Angebote von führenden VPN-Anbietern wie  NordVPN oder Surfshark können ganz einfach am Gerät installiert werden. Da aber auch Schadsoftware von anderen übertragen werden kann, wenn im gleichen W-LAN gesurft wird, sollte ein aktueller Virenscanner und eine Firewall am Gerät sein. 

Und wie geht man während der Workation mit technischen Problemen um? Im Idealfall nimmt auch ein*e IT-Angestellte*r an der Workation teil, um bei technischen Schwierigkeiten direkt zu helfen. Das ist aber nicht immer möglich. Um technische Fallstricke bestmöglich vorzubeugen, sollte vor Reiseantritt sichergestellt werden, dass die neueste Version der Software inklusive der nötigen Updates auf den Arbeitsgeräten installiert ist. 

Die gewählte Unterkunft ist laut, dunkel, oder einfach nicht mit dem nötigen Equipment ausgestattet, das für eine erfolgreiche Workation gebraucht wird? Was im Heimatland funktioniert, kann auch auf den Workation-Aufenthalt umgemünzt werden. In fast allen Großstädten, aber auch zunehmend an kleineren Orten, gibt es mittlerweile Coworking Spaces, an denen mit dem Team in einer produktiven Umgebung gearbeitet werden kann. Die Umgebung ist nicht nur speziell für die Bedürfnisse von Arbeitnehmer*innen gemacht, sondern bietet eine klare Abgrenzung zum entspannten Freizeitprogramm. 

Für Reisende, die auf eine Abkühlung im Meer während Pausen aber nicht verzichten oder beim Brainstorming mit dem ein oder anderen Cocktail nachhelfen wollen, gibt es auch genügend Coworking Spaces, bei denen Strand und Beachbar dabei sind. Das Surf Office ist eine Kette von Coworking Spaces, die in vielen Locations Europas und der USA ihre Unterkünfte anbieten. Dazu zählen auch beliebte Urlaubsorte wie Gran Canaria oder Lissabon. Auch in Asien ist diese Form von Coworking beliebt, und wird zum Beispiel im Kohub Thailand angeboten. 

Je nach Reiseland sollte außerdem bedacht werden, dass es sich bei tropischen 30 Grad oder mehr nicht gut arbeiten lässt. Auch Laptops und Smartphones überhitzen bei zu hohen Temperaturen. Bei Auswahl der Unterkunft oder Coworking Space lohnt es sich also darauf zu achten, dass klimatisierte Räume zum Arbeiten vorhanden sind.

Arbeits- und Steuerrecht

Arbeitsvorschriften sehen in fast jedem Land anders aus, vor allem was ausländische Arbeitende betrifft. Was innerhalb der EU noch recht länderübergreifend gilt, kann in entfernteren Ländern anders aussehen. Rund um Höchstarbeitszeiten, Arbeiterschutz, Registrierungspflicht, Arbeitserlaubnis, Betriebsstättenbegründung, Steuern, medizinische Versorgung und Versicherung sollten man sich als Unternehmen informieren, bevor Teams in einen gemeinsamen Urlaub geschickt werden.

Erfahre mehr über das Thema:
⚖️ Workation im Ausland – diese rechtlichen Aspekte musst du beachten.

Um arbeits- und steuerrechtliches besser managen zu können, sollten Workations zeitlich begrenzt sein. Je länger Mitarbeiter*innen im Ausland arbeiten, desto schwieriger gestalten sich arbeits- und steuerrechtliches.

  • Arbeitsrecht: Dauert die Workation nicht länger als vier Wochen, gilt das österreichische Arbeitsrecht. Wird diese Schwelle allerdings überschritten, sind die Regeln des Reiselandes zu beachten. Gegebenenfalls brauchen Arbeitnehmer*innen dann ein (Arbeits-)visum.
  • Steuerrecht: Wird weniger als 183 Tage im Jahr im Ausland gearbeitet, gilt weiterhin das österreichische Steuerrecht. Wird diese Schwelle überschritten, gilt es im jeweiligen Workation Land Steuer zu leisten. Hier sollten HR-Verantwortliche beim gewählten Reiseland noch einmal nachhacken, da es zu der 183-Tage Regel keine EU-weiten Regelungen gibt.
  • Sozialversicherung: Grundsätzlich gilt, dass man dort wo gearbeitet wird auch versichert ist. Dauer und Urlaubsland sind hier entscheidende Faktoren. Innerhalb der EU bleibt bei regelmäßigen Workation Aufenthalten das deutsche Versicherungsrecht in Kraft. Ist der oder die Auftraggeber*in Deutsch, so müssen 25% der Arbeitsleistung auch in Deutschland absolviert werden. Auch der Wohnsitz der Mitarbeiter*innen muss sich in Deutschland befinden. Außerhalb der EU bezieht sich die Versicherungssituation auf das jeweilige Abkommen zwischen den Staaten. Im Zweifelsfall lohnt es sich, eine Auslandskranken- und Reiseversicherung abzuschließen. Die zusätzlichen Kosten für eine Krankenversicherung hängen von der Zeitspanne ab, für die sie abgeschlossen wird. Am billigsten kommt man in den meisten Fällen mit Jahrespolicen davon, die sich durchschnittlich auf 10-20 Euro pro Person im Jahr belaufen und alle Reisen innerhalb dieses Zeitraums abdecken. Bei einer Reiseversicherung ist die Krankenversicherung oft inbegriffen, versichert aber auch für den Fall, dass Stornokosten anfallen oder bei Gepäckverlust. 

Die Regeln rund um Workation sollten schriftlich festgehalten & für jede*n Mitarbeiter*in zu jeder Zeit nachlesbar sein. Das geht zum Beispiel in einem eigenen Abschnitt im firmeninternen Notion-Account.

Beispiele aus der Praxis

Für die Umsetzung eines Ocean Office sind theoretisch also viel Zeit und Ressourcen nötig. Wie sieht’s in der Praxis aus? Und gibt es Unternehmen, die Workations aktiv anbieten und bereits positives dazu zu berichten haben?

Die Antwort ist ja! Beim Linzer Start-up Storyclash wird Remote Work schon tagtäglich gelebt, sodass das junge Unternehmen seit Februar 2021 einen Schritt weiter geht & den Mitarbeiter*innen die Möglichkeit zur Workation bietet. Für bis zu zwei Monate im Jahr ist die Arbeit im Ausland möglich, und Arbeitnehmer*innen werden mit dem Zugang zu Coworking Spaces und Co. unterstützt. Wichtig ist für das Unternehmen vor allem, die Work-Life-Balance der Mitarbeiter*innen zu fördern und dem Fernweh, das durch die Pandemie immer stärker geworden ist, entgegenzuwirken.

Auch bei der Buchungsplattform Holidu kommen Workations gut an. Das Unternehmen operiert seit der Pandemie komplett remote und so war die Kombination aus Arbeit und Urlaub der nächste logische Schritt. Da das Team Mitarbeiter*innen aus rund 40 verschiedenen Nationen beschäftigt, hat Holidu außerdem zahlreiche Niederlassungen in ganz Europa, an denen Mitarbeiter*innen gemeinsam arbeiten zu können.

Das Unternehmen hat für sich eine passende Lösung gefunden, um Workations effizient zu managen. Aktuell haben die Mitarbeiter*innen 1-2 Präsenztage pro Woche im Büro zu leisten. Diese können allerdings achtmal im Jahr verpasst werden. Spart sich ein*e Mitarbeiter*in diese acht Tage an, kann er oder sie bis zu zwei Monate am Stück von einem beliebigen Ort aus arbeiten.  „Um Mitarbeitern und Unternehmen schnell Klarheit zu verschaffen, was möglich und erlaubt ist, sollten weitestgehend standardisierte Prozesse aufgesetzt und Richtlinien festgelegt werden“, sagt Cora Graßhoff, HR-Verantwortliche bei Holidu. Präsenzquoten wie diese sind ein Schritt in die richtige Richtung, müssen aber nicht die Lösung für jedes Unternehmen sein. Ortsunabhängiges Arbeiten ist die Zukunft. Sofern es die Position erlaubt, sollte es Arbeitnehmer*innen also offen stehen, auch z100% remote arbeiten zu können. 

Workation als Teambuilding Möglichkeit

Egal ob remote oder nicht ­­– Um ein Team nachhaltig zu stärken, sind gemeinsame Erlebnisse abseits der Arbeit essenziell. Neben Konferenzen, Tagesausflügen und herkömmlichen Teambuilding-Events hat sich die Workation als attraktive Möglichkeit herauskristallisiert, um den Teamgeist zu stärken. Wanderausflüge, gemeinsam Kochen oder ein Spieleabend nach getaner Arbeit – Die ungezwungene Atmosphäre einer Workation legt den Grundstein für eine verbesserte Beziehung zwischen Kolleg*innen. Aber auch Workshops und gezielte Teambuilding-Aktivitäten funktionieren im Ocean Office hervorragend.

  • Gemeinsam leben & arbeiten: Persönliche Meeting kurbeln neue Ideen und die Kooperation an. Ist die Workation vorbei, arbeitet es sich auch remote besser zusammen.
  • Bei einer Workation lernt sich das Team nicht nur im beruflich, sondern auch im privat kennen. Das wiederum stärkt die emotionale Verbindung innerhalb des Teams und eint die gemeinsame Vision.
  • Kommunikation: Wer sich kennt, kann ungezwungener miteinander kommunizieren. Dadurch können Probleme und notwendige Schritte besser angesprochen werden. Die Gesprächspartner*innen fühlen sich sicher, und helfen dem Unternehmen dabei, sich weiterzuentwickeln.
  • Teamkultur: Face-to-face Kontakt ist für das Zusammenwachsen des Teams wichtig. Die Möglichkeit für Kolleg*innen, miteinander Zeit zu verbringen, sollte mindestens einmal pro Jahr möglich gemacht werden. Wählt man das Workation-Modell, kann das Team die Beziehungen weiter ausbauen, für die es durch online Zusammenarbeit schon die Grundsteine gelegt hat und an möglichen Konflikten arbeiten. 

Fazit

Obwohl es beim Workation-Trend Stolpersteine gibt, kann das eigene Ocean Office eine Win-Win-Situation für Arbeitnehmer*innen als auch Arbeitgeber*innen sein. Durch gute Planung und Kommunikation wird die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, der Zusammenhalt innerhalb des Teams und die Produktivität deutlich verbessert. Außerdem positionieren sich Unternehmen, die bereits jetzt auf den Workation-Trend aufspringen, attraktiver am Arbeitsmarkt und können die besten Talente für sich gewinnen. Am Ende des Tages sollte das Hauptziel einer Workation allerdings sein, dass sich Arbeitskräfte an eine positive Zeit mit Kolleg*innen zurückerinnern.