Flop Weiterbildung: Wenn Vorträge „old-school“ sind

Wir alle sind schon einmal in einem Seminar der „Berieselung“ gesessen. Hin und wieder dem Vortragenden zunickend, signalisieren wir unsere Anwesenheit. Wenn das Wetter noch dazu schön ist, würden wir uns lieber den Outdoor-Aktivitäten widmen. Doch um dem Chef zu imponieren und zu zeigen, dass man auf der Welle der ständigen Weiterentwicklung mitreitet, hat man sich zu einem Seminar angemeldet … hoffentlich nicht schon wieder ein Flop?

Denken nicht erwünscht?

Gehen wir einen Schritt zurück: Wenn wir uns zu einer Weiterbildungsmaßnahme (wie das Wort ja so schön heißt) anmelden, besteht immer wieder dieser kleine Funken Hoffnung einer spannenden Schulung mit interessanten Experten und völlig neuen Inhalten. Selbstverständlich erweist sich diese Annahme häufig als absoluter Flop. Dann heißt es, Zeit absitzen, hier und da eine intelligente Frage stellen, oder zumindest die Pause mit kulinarischen Köstlichkeiten voll ausnutzen. Bei Letzterem ist zwar der Sinn einer Fortbildung völlig dahin, aber zumindest hat man die Teilnahmegebühr gut investiert. Das Problem ist, dass vermehrt Seminare/Workshops angeboten werden, die entweder gar kein Frontalunterricht sein müssen (genauer genommen bedeutet die Bezeichnung Workshop „etwas erarbeiten“) oder methodisch-didaktisch völlig am falschen Dampfer sind.

Lust auf Erfahrungslernen

Klar, muss nicht alles in einem der innovativsten Workshops verpackt werden – aber in einem Punkt sind sich viele einig: wenn wir eine Weiterbildung buchen, möchten wir Neues erfahren, selbst tätig werden und Methoden ausprobieren, die uns auf andere/neue Ideen bringen. Wer glaubt, 8 Stunden in einem Seminarraum stehen zu können, ohne die Zuhörer (bzw. Anwesenden) miteinzubeziehen, hat das Konzept des Lernens nicht verstanden. Gerade hier können wir uns viel von den Kleinen abschauen: Beim Lernen möchten wir Erfahrungen machen und spüren, wie sich diese auswirken. Im Erwachsenenalter wird auch insbesondere auf Reflexion Wert gelegt: Ich erlebe etwas und teile diese Erfahrung mit anderen. Zu guter Letzt werden dabei gemeinsame Lösungsansätze ausgetauscht. Wir müssen weg von der alten Schule, die sich nur darauf beruht, zuzuhören, hin zum selbstständigen Ausprobieren. Nur dann macht Lernen Spaß und wirkt sich nachhaltig auf die persönliche Weiterentwicklung aus.

Mut für Außergewöhnliches

Der Trend zeigt: Neue Seminarkonzepte sprießen geradezu wie Schwämmchen nach der Regenzeit aus dem Boden. Gesetzt wird vermehrt auf ein Lernen durch eigenen Tatendrang und Austausch mit anderen. Und: Vermehrt kommen auch Teamtrainings zum Einsatz, die eine wissensgierige Gruppe von Personen an Herausforderungen stellt. Es gilt heutzutage also nicht mehr, dass nur mehr der Vortragende weiß, wo es „lang geht“. Die Teilnehmer selbst werden als Experten ihres eigenen Tuns angesehen, die gemeinsam neue Inhalte erarbeiten. Durch das eigene Erleben von Weiterentwicklung werden zudem auch Emotionen frei, die das Gelernte viel stärker bei den Personen verankern. Nachhaltigkeit im Lernen garantiert!

Lernen im Hier und Jetzt

Seminare, die notwendige Inhalte und Orientierung im „Daily Business“ bieten, sind unbestritten von großer Bedeutung. Doch die methodisch-didaktische Aufbereitung sowie der Mut neue Lernkonzepte auszuprobieren, sind heute umso wichtiger denn je. Gerade in Zeiten der Informationsüberflutung wollen wir lernenden Wesen uns das „rauspicken“, was wir gerade an Informationen benötigen. Und: Die zeitlichen Ressourcen sind knapp, weshalb wir von unserer Weiterbildungsmaßnahme optimal profitieren wollen. Also: Mut zu Maßnahmen, die Mitarbeiter auch mal herausfordern und das ganze Team profitieren lassen. Erlebnisbuilding kann genauso als Incentive für Seminare oder Workshops gedacht werden, egal ob als Anreizsystem vor oder Belohnung nach einem Weiterbildungsmarathon. Oder kennt ihr ein nachhaltigeres Konzept als Spaß am Lernen?